Welche*r Musiker*in hat dich am meisten beeinflusst?
Sicherlich mein Vater, der auch ein Tenor war. Mit ihm habe ich angefangen zu studieren und mit ihm habe ich angefangen zu singen. Als ich 16 Jahre alt war, hatten wir ein Duo – zwei Stimmen und zwei klassische Gitarren – und wir sangen ein sehr vielfältiges Repertoire. Sehr wichtig für mich waren auch der berühmte Bariton Giuseppe Taddei, mit dem ich studiert habe und dessen Persönlichkeit mich verändert hat, sowie die Maestra Enza Ferrari, eine der besten Korrepetitorinnen, die mich sehr unterstützt und mir das Opernrepertoire sowie die Lernmethode beigebracht hat.
Was kannst du mir auf deinem Instrument besser beibringen als alle anderen Lehrer*innen?
Ich habe eine umfassende Erfahrung und auch eine angeborene Neugier, die mich immer dazu gebracht hat, viele verschiedene „Orte“ im künstlerischen Bereich zu erkunden. Ich glaube, dass ich die Technik des klassischen Gesangs lehren kann, wobei ich stets das ultimative Ziel im Blick behalte: ein Instrument zu formen, das es uns ermöglicht, zu kommunizieren und uns selbst auszudrücken, indem wir die Barrieren beseitigen, die uns daran hindern, und neue Inspirationen ausserhalb unserer Komfortzone finden. Für fortgeschrittene Studierende, die die Ambition haben, auf bedeutenden Bühnen aufzutreten – so wie ich das Glück hatte, es zu tun –, denke ich, dass ich auch im Bereich Motivation und Nervenmanagement viel vermitteln kann.
Wie hast du singen gelernt?
Irgendwie habe ich schon immer gesungen, denn mein Vater war ebenfalls ein professioneller Tenor und hatte viele Schüler*innen, die fast täglich zum Unterricht kamen. Ich erinnere mich an ihre Fortschritte, aber auch an ihre Blockaden, und ich erinnere mich, dass ich oft dachte: „Warum machen sie immer die gleichen Fehler?“ Als ich dann ernsthafter zu studieren begann, habe ich verstanden, wie viele Herausforderungen es gibt, um ein Profi zu werden. Mein Vater war mein Lehrer – das war ein Vorteil, aber nicht immer einfach. Und schliesslich habe ich das meiste direkt auf der Bühne gelernt, sowohl aus den glücklichen Momenten als auch aus den Misserfolgen.
Wie gehst du vor, wenn du selber einen Song schreibst oder ein Stück komponierst?
Ich komponiere keine Musik oder Lieder.
Auf welchem Equipment spielst du heute?
Hauptsächlich studiere und unterrichte ich mit dem Klavier oder Keyboard. Ich habe klassische Gitarre auf fortgeschrittenem Niveau studiert und begleite mich gelegentlich damit. Ich habe umfassende Kenntnisse in der Audio- und Videoaufnahme und bin auch für Online-Unterricht ausgestattet. Zudem bemühe ich mich stets, mich weiterzubilden, um die Einschränkungen, die diese Unterrichtsform noch mit sich bringt, zu überwinden.
Welche persönliche Eigenschaft hat dir beim Üben am meisten geholfen?
Das Talent hat mir sicherlich geholfen, auch wenn es allein nicht ausreicht, um ein Profi zu werden. Ich denke, dass es mir auf meinem Weg sehr geholfen hat, mich von den richtigen Menschen inspirieren zu lassen, aber auch meinen Geist offen zu halten und von allen zu lernen – sogar von Menschen, mit denen ich vielleicht nicht viel gemeinsam hatte. Es gibt immer etwas zu lernen, und es ist eine faszinierende Reise.
Was hat dein Instrument, was andere nicht haben?
Wir beginnen unser Leben mit einem Atemzug und beenden es mit unserem letzten Hauch. Das Besondere am Gesang ist, dass wir den Worten eine Form und eine Melodie geben und sie durch etwas transportieren, das für unser Leben essenziell ist: die Luft. Der Atem, der Leben bedeutet, wird zugleich Klang und Emotion.
Worauf achtest du dich besonders beim Unterrichten?
Während einer Gesangsstunde konzentriere ich mich darauf, herauszufinden, wo die möglichen Hindernisse des Schülers liegen, welche die grössten Schwächen sind, aber auch, wo seine Stärken liegen. Dabei versuche ich stets, eine positive Einstellung zu bewahren: Ich arbeite daran, die Fehler zu korrigieren und Blockaden zu überwinden, jedoch immer auf konstruktive Weise – ausgehend von dem, was bereits vorhanden ist, und nicht von dem, was vermieden werden sollte. Für mich ist es ausserdem sehr wichtig, unser eigentliches Ziel nie aus den Augen zu verlieren: Musik zu machen und Freude daran zu haben. Durch diese Herangehensweise findet man die Energie, auch schwierige und frustrierende Situationen zu überwinden.
Wie baust du deine Musikstunden auf?
Zu Beginn des Gesangsunterrichts nehme ich mir normalerweise 5 Minuten Zeit für einige Atemübungen und Übungen zur Aktivierung der Zwerchfellatmung. Es ist sehr wichtig, unserem Körper bestimmte Impulse zu geben, damit sich beim Singen die Automatismen entwickeln, die wir benötigen. Danach folgen Übungen für eine korrekte Phonation, mit besonderem Fokus auf eine stabile Atemstütze, die richtige Platzierung der Vokale und eine dynamische Artikulation der Konsonanten, die keine übermässige Verspannung verursacht. Der zweite Teil der Stunde ist der Musik gewidmet, unabhängig vom Niveau des Schülers/der Schülerin. In jeder Unterrichtseinheit sollte es einen kleinen (oder grossen) Fortschritt geben, der das Selbstvertrauen und die Freude am Singen steigert.
Was war bis anhin dein tollstes Erlebnis als Musiker?
Ich werde zwei Erlebnisse erzählen:
Als ich als Solist auf dem Petersplatz gesungen habe, begleitet von einem wunderbaren Orchester und einem ebenso wunderbaren Chor, vor dem Papst und 15.000 Menschen, stand vor uns eine riesige Leinwand, auf der Bilder übertragen wurden, die in ganz Europa zu sehen waren. Die Emotionen waren überwältigend.
Das andere Erlebnis geschah vor einem Konzert, bei dem ich im Duo mit meinem Vater singen und spielen sollte. Kurz davor gab es ein starkes Unwetter, und alle Strassen rund um den Konzertsaal waren überflutet. Als es Zeit war, das Konzert zu beginnen, waren nur mein Vater, ich und eine Person, die sehr früh angekommen war, anwesend. Da wir festsassen, entschieden wir uns, für diese eine Person zu spielen und zu singen. Es war ein wirklich magischer und einzigartiger Moment.
Ich denke, die Moral dieser beiden Geschichten ist, dass die Magie der musikalischen Kommunikation sowohl zwischen Tausenden von Menschen als auch zwischen zwei Individuen entstehen kann. Und in manchen Fällen sind es Erlebnisse, die einen ein Leben lang begleiten.
Welches war die grösste Bühne, auf der du gespielt hast?
Das prestigeträchtigste Theater, in dem ich je gesungen habe, ist mit Sicherheit das Teatro alla Scala in Mailand, der Tempel der Oper.
Das grösste geschlossene Theater, in dem ich gesungen habe, ist wahrscheinlich das Hummingbird Centre in Toronto, das mehr als 3.000 Sitzplätze hat. "Openair" habe ich in der Arena di Verona vor mehr als 15.000 Zuschauern gesungen – ein unglaubliches Erlebnis.
Mit welcher*welchem Musiker*in würdest du gerne einmal spielen?
Ich hätte gerne mit einem grossartigen Korrepetitor wie Gerald Moore gesungen oder unter der Leitung von Leonard Bernstein. Ich schätze diese beiden sehr grosse Musiker, die auch herausragende Kommunikatoren sind. Beide haben tiefgehende Zeugnisse hinterlassen und interpretatorische Visionen geschaffen, die stets einzigartig und originell sind.
Welche eine Platte würdest du auf die einsame Insel mitnehmen?
Wahrscheinlich würde ich auf eine einsame Insel keine Opernmusik mitnehmen – die höre ich lieber im Theater. Ich würde vermutlich Mozarts „Jupiter“-Sinfonie wählen oder einen italienischen Liedermacher, der mich besonders berührt, wie Lucio Dalla oder Franco Battiato.
Auf welcher Bühne würdest du am liebsten spielen oder spielst du am liebsten?
Ich hatte das Glück, in fast allen wunderschönen Theatern meiner Heimat Italien zu singen. Es fehlen mir nur noch drei, und eines davon ist das Teatro San Carlo in Neapel. Es ist ein Theater von aussergewöhnlicher Schönheit mit einer wunderbaren Akustik. Ich würde dort wirklich gerne mindestens einmal singen, bevor ich in Rente gehe. Hoffentlich wird es passieren.
Was ist neben der Musik noch wichtig in deinem Leben?
Natürlich sind mir meine Familie und Freunde wichtig, aber ebenso bedeutsam ist es für mich, den „Muskel der Kreativität“ in Form zu halten. Ich sage immer, dass ich gerne viele Dinge kann – und alle schlecht. Ich liebe es, Neues zu lernen, zu lesen, zu reisen, zu fotografieren, Videos zu drehen, Klänge und Musik aufzunehmen, manchmal zu zeichnen oder Dinge zu reparieren.